Taijiquan - 太极拳 - Die Faust des größten Extrems

Taijiquan ist einer der Wushu Stile. Früher wurde er „Changquan“ („Lange Faust“), „Mianquan“ („Faust der Seidenwatte“), „Shisanshi“ („13 Techniken“) oder auch „Ruanshou“ („Weiche Hand“) genannt. In den Jahren der Qing-Dynastie unter der Regierungsdevise Qianlong (1735-1796), schrieb ein Einwohner von Shanxi Wang Zongyue ein Buch namens „Taijiquan Lun“ („Die Theorie von Taijiquan“). Nach dieser Zeit begann sich der Name Taijiquan zu verbreiten.

 

Über die Gründung des Stiles bestehen fünf Hauptversionen
  1. Taijiquan wurde während der Tang-Dynastie von Xu Xuanping und Li Daozi (unabhängig voneinander) weitergegeben.
  2. Taijiquan wurde Ende der Yuan-Dynastie – Anfang der Ming-Dynastie (Mitte des 14. Jahrhunderts) im  Wudangshan Gebirge (Provinz Hubei) von einem Taoisten namens Zhang Sanfeng gegründet.
  3. Taijiquan wurde Anfang der Ming-Dynastie (im 14. Jahrhundert) im Dorf Chenjiagou (Provinz Henan, Kreis Wenxian) von Chen Bu gegründet.
  4. Taijiquan wurde während der Qin-Dynastie in den Jahren unter der Regierungsdevise Qianlong von Wang Zongyue gegründet.
  5. Basierend auf den Forschungen von Tang Hao wurde Taijiquan zum ersten Mal im Dorf Chenjiagou (Provinz Henan, Kreis Wenxian) von Chen Wangting gegründet.
 
Die meisten Taijiquan Richtungen stammen vom Taijiquan der Chen-Familie ab und halten sich an die letzte Gründungsversion von Chen Wangting.
 
Der Stil stammte aus drei Hauptquellen
  1. Die gesamte Aufnahme aller bekannten Kampfkunsttechniken der Ming-Dynastie, insbesondere die Annahme der 32 Techniken des Changquan von Qi Jiguang.
  2. Die Verbindung von Kampftechniken mit den alten Atemgymnastik Künsten Daoyin und Tuna, sowie mit der klassischen Lehre der chinesischen Medizin über die Meridiane Jing-Lo.
  3. Die philosophischen Ideen aus den Zeiten der Song-Dynastie über Yin-Yang und Wuxing als philosophische Grundlage von Taijiquan.
 
Bei der Ausführung von Taijiquan befindet sich der Praktizierende von Anfang bis zum Ende in einer Bewegung. Alle Bewegungen sind miteinander eng verbunden. Die Kraftnutzung ist ununterbrochen. Die Techniken sind immer mit den Gedanken in Verbindung. Sie ähneln den Bewegungen der Frühlingsseidenspinner, die unendlich ihre Fäden spinnen.
 
Gleichzeitig zeigen die Bewegungen des Taijiquan den Kampf und die Einheit der Gegensätze. Taijiquan hat Härte und Weichheit, Fülle und Leere, Bewegung und Ruhe, Schnelligkeit und Langsamkeit, Öffnung und Schließung, Beugung und Streckung. Die gegenseitige Umwandlung stellt in jeder Bewegung die Einheit dieser Gegensätze dar.
 
Taijiquan durchlief eine lange Zeit der Praxis und der Übergabe und wurde somit auf verschiedene Richtungen verteilt. Die bekanntesten Richtungen sind die Stile Chen, Yang, Wu, Wu (zwei verschiedene Schriftzeichen) und Sun.
 
Nach der Gründung der Chinesischen Volksrepublik wurden ganz neue Formen entwickelt, wie z. B. vereinfachtes Taijiquan (in Deutschland als Peking-Form bekannt) und Taijiquan aus 48 Bewegungen sowie verändertes Taijiquan der Yang-Familie aus 88 Bewegungen. Alle Taijiquan Richtungen haben aber die gleichen Anforderungen. Sie lauten:
 
Anforderungen aller Taijiquan Richtungen
  • Man muss das Herz beruhigen und die Gedanken verwenden. Das Bewusstsein muss die Bewegungen führen. Die Bewegungen und die Atmung sind eng miteinander koordiniert. Die Atmung soll ruhig, tief, gleichmäßig und natürlich sein.
  • Die Bewegungen sind direkt und nicht eilig, weich und langsam. Der Körper bleibt entspannt und natürlich. Man darf sich nicht zu den Seiten beugen. Die Bewegungen sind ohne Pausen, weich und natürlich.
  • Die Bewegungen bestehen aus Bögen, sind flexibel und ununterbrochen. Gleichzeitig bildet der Körper eine Einheit, wo die Lende als Achse für die koordinierten oberen und unteren Teile des Körpers verwendet wird.
  • Alle Bewegungen sind miteinander verbunden und koordiniert, die Fülle und die Leere unterscheiden sich klar. Die Übergänge zwischen den Bewegungen sind fortlaufend verbunden, dabei sind die Fülle und die Leere klar abgegrenzt und der Gewichtsschwerpunkt bleibt stabil.
  • Die Bewegungen sind geschickt. Harte und weiche Bewegungen sind kombiniert. Sie dürfen nicht inert oder erstarrt sein. Der Praktizierende ist äußerst weich, aber innen hart. Ein Kraftauswurf kommt vom ganzen Körper.
 
Hier eine Auflistung der Grundmethoden des Taijiquan:
 
Grundmethoden des Taijiquan
  • Peng (verschlagen)
  • Lü (mit Händen führen)
  • Ji (ausquetschen)
  • An (drücken)
  • Cai (pflücken)
  • Lie (fest drücken)
  • Zhou (der Ellbogen)
  • Kao (lehnen)
  • Jin (vorwärtsgehen)
  • Tui (sich rückwärts bewegen)
  • Yi (sich gesund halten)
  • Pan (ersehen)
  • Ding (zentrieren)

 

Beim Ausführen von Tuishou (Schiebende Hände) soll man die Bewegungen mit Ruhe beschränken, die Weichheit verwenden, um die Härte zu überwinden, die Fülle vermeiden, zur Leere streben (damit ist gemeint, dass man so kämpft, dass der Gegner seine Stärken nicht zum Einsatz bringen kann und man dabei seine Schwachstellen angreift).

 

Man benutzt die Kraft des Gegners, um die eigene Kraft anzuwenden, schätzt ruhig und objektiv die Situation ein, folgt den Bewegungen des Gegners flexibel und unterbricht sie plötzlich im passenden Moment.

 

Besonders achtet man auf „Tingjin“ („der Kraft zuhören“). Dabei verwendet man die taktilen Gefühle des Körpers, um Distanz, Richtung und Anwendungspunkt der Kraft des Gegners zu ermitteln und darauf rechtzeitig zu reagieren. Verwendet der Gegner beispielsweise harte Kraft, muss man sie erweichen. Man folgt dabei dem Prinzip

„wenn er sich schnell bewegt, dann antworte ich auch schnell, wenn er sich langsam bewegt, dann folge ich auch langsam“

Das bedeutet, dass man den Bewegungen des Gegners folgt und sich der Situation anpasst.

 

Außer den Fausttechniken beinhaltet Taijiquan Taijidao (Säbel des großen Extrems), Taijijian (Schwert des großen Extrems), Taijiqiang (Speer des großen Extrems) sowie die Tuishou Kämpfe.

 

Das Taijiquan Training ist sehr gesund für die Zentralnerven-, Kreislauf- und Atemsysteme. Es hat gesundheitsfördernde und heilende Effekte und ist dadurch zu einer internationalen Art der therapeutischen Übungen geworden. Die Bewegungen von Taijiquan werden mehr und mehr in den Ländern und Völkern der ganzen Welt beliebt. Besonders hat es sich in Japan, USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Singapur, Malaysia sowie in Hongkong, Makao und Taiwan verbreitet. Auch in Deutschland wächst die Popularität dieser Kunst von Jahr zu Jahr.